2025 |

2025 | "Waterkater - Waterkater - Waterkater"

SY: Waterkater (Bavaria 39 Charteryacht)
Vom 13. bis 27. Juni 2025 (rd. 420 sm)
Reiseroute: Wendtorf – Sonderborg – Middelfart – Hou – Ebeltoft – Odde – Hundested – Havnso – Ballen – Middelfart – Arosund – Bagenkop – Wendtorf
Skipper: Stefan Molkentin
Crew: Julia, Peter

Peter und ich hatten auf einem früheren Chartertörn bereits gute Erfahrungen mit einer Bavaria 39 C gemacht, so dass wir dieses Mal gezielt danach gesucht haben und bei “PCO Ostsee” am Standort Wendtorf fündig geworden sind. Die Yacht selbst war aufgrund ihrer Größe für drei Personen auch im Innenbereich mit drei Kabinen und zwei Nasszellen sehr komfortabel. Sie war zudem mit einem Bugstrahlruder ausgestattet, was wir zwischenzeitlich bei bestimmten An- und Ablegesituationen durchaus zu schätzen wissen.

Nach einem leckeren Abendessen in Laboe sind wir am ersten Tag bei besten Wetter- und Windbedingungen nur unter Genua bis nach Sonderborg gerauscht, um dort an der Pier als Päckchen-Innenlieger die Nacht zu verbringen. Zur guten Seemannschaft gehört auch, dass sich die Aussenlieger mit einer gewissen Achtsamkeit über das Vorschiff bewegen. Die Crew neben uns mutete aber eher wie eine Elefantenherde an.

20250614 170356

Nächstes Ziel war Middelfart, und wir hatten das Glück, einen Platz im Gammelhavn zu ergattern, weil ein Traditionssegler sich zwecks Reparaturarbeiten verholt hatte und dessen Platz frei war. Aus meiner Sicht ist dieser Hafen dem neuen Yachthafen, aber auch der südlich gelegenen Marina vorzuziehen, er hat einfach deutlich mehr Charme. An der Außenmole lag dann auch noch ein schöner Dreimaster.

20250615 190205 20250615 190335

Unser Ziel war einerseits, möglichst weit nach Norden zu kommen, andererseits ein paar Häfen zu sehen, die uns bislang nicht bekannt waren, also insgesamt auch entspannt segeln. Wetter und Wind meinten es im Großen und Ganzen ohnehin gut bzw. zu gut mit uns. Natürlich gab es auch mal den einen oder anderen Regenschauer und da hatten wir dann ein Problem, dass wir leider etwas spät bemerkt haben: In Julias Kajüte kam Wasser auf ungeklärten Wegen über die Einfassung des Kajütfensters nach innen und lief schön in den darunter liegenden Schrank. Das Ergebnis waren durch den Salon gespannte Wäscheleinen zwecks Trocknung und eine dicke Lage Tücher unter dem Fenster. Da hätte es ruhig mal einen Hinweis seitens des Vercharterers geben können.

Von Middelfart führte uns der Weg nach Hou, dem Fährhafen nach Samsoe, wo wir an der Pier für „große“ Schiffe in unmittelbarer Nachbarschaft einer Eisbude und einer schönen Werft festmachen konnten, Zeit für einen Spaziergang blieb auch noch.

20250616 185202 20250617 101943

Anstatt noch einen Abstecher nach Aarhus zu machen, entschieden wir uns, direkt nach Ebeltoft zu segeln. Wir hatten für den Folgetag Anholt im Visier, einen Plan, den wir dann aber aufgegeben haben, weil der Wind von West nach eher NNW drehte und niemand Lust auf Kreuzen hatte. In Ebeltoft gibt es zwei Häfen „Ebeltoft Havn“ und „Ebeltoft Sudehavn“. Wir empfehlen den ersten, der zwar nicht der modernere, dafür aber der charmantere ist. Das nette „Aoife Coffee“ befindet sich unmittelbar im Hafen und ist sehr empfehlenswert.

Also statt nach Anholt ging’s dann mit halbem bis raumem Wind nach „Sjællands Odde“, eine wirklich gute Wahl. Zunächst fielen uns unterwegs aber eine Vielzahl von Schiffen der dänischen Marine auf, die nördlich von Seeland patrouillierten, unterstützt von seegestützten Drohnen. Wie wir später feststellen konnten, war Odden Havn auch ein Marinestandort und ein Heimathafen der Drohnenboote, die zum Teil via Kameras von entsprechenden Operatoren im Hafen gesteuert wurden.

20250617 164232 20250619 093515

Odden Havn ist ansonsten ein kleiner, sehr netter Hafen mit Anlagemöglichkeiten direkt hinter dem großen Wellenbrecher, einem fußläufig erreichbaren Supermarkt, traditionellem Werftbetrieb und einer absolut leckeren Fischräucherei, in der wir uns ausgiebig bedient haben.

20250618 172244 IMG 2337

In Odden Havn (18./19.6.) mussten wir entscheiden, ob wir ostwärts um Seeland segeln, was uns durchaus gut gefallen hätte. Der Wind war zu diesem Zeitpunkt eher schwach, aber für die dann anstehende Rückfahrt zum Teil kräftig zunehmend aus West angesagt. Wir haben uns daher entschieden, zunächst einen kurzen Schlag bis nach Hundested eingangs des Isefjords zu segeln, ein ganz netter Hafen mit guter Infrastruktur und bei Bedarf einer Bahnverbindung nach Kopenhagen.

20250618 162613 20250615 190335

Am nächsten Tag bestätigte sich die Wettervorhersage mit stark zunehmendem Westwind an den Folgetagen. Wir hätten zwar kein Problem gehabt, im Schutz der Küste von Seeland südwärts zu segeln, hatten aber keine Lust, ab Klintholm bis Kiel ausschließlich gegenan zu kreuzen. Daher fiel die Entscheidung, wieder zurück Richtung Großer/Kleiner Belt zu fahren. Als nächstes Ziel hatte wir Havnsoe an der Nord-Ost-Küste Seelands ausgemacht und mussten dafür zunächst die Enge von Snekkelob durchfahren.

Bild

Bei guter Sicht und strikter Einhaltung des Tonnenstrichs war das kein Problem. Als Belohnung gab’s im Anschluss Lekkerli für alle und unter Motor durften auch die Schwimmwesten mal Pause machen. Zum Ende des Tages waren in Havnsoe ein schicker Oldtimer und ein astreiner Sonnenuntergang zu bestaunen.

20250620 203509 20250620 210325

Tags darauf (inzwischen der 21.6.) wollten wir nach Samsoe und wählten einen nördlichen Kurs, um bei anhaltendem Westwind im Prinzip mit zwei langen Schlägen nach Ballen zu kommen. Im Ergebnis war das nicht so schlau, hat uns aber um eine Erfahrung reicher gemacht.
Westlich von Sejeroe befindet sich auf der linken Fahrwasserseite des Großen Belts ein ziemlich großes in der Seekarte rosa gekennzeichnetes Gebiet, dessen Bedeutung wir geflissentlich ignoriert und auf direktem Weg versucht haben zu durch-fahren, um das Fahrwasser zwischen den Fahrwassertonnen 16 und 18 zu kreuzen. Bereits kurz bevor wir in das Areal einfuhren, wurden wir von Great Belt Traffic angefunkt und in deutlichen Worten aufgefordert, das „Sperrgebiet“ nicht zu befahren und unseren Kurs entsprechend zu ändern. Tja, wozu gibt’s eigentlich diese gelben Tonnen?

20250621 131633 20250621 130725

Ballen war voll, es war Wochenende und Päckchenliegen angesagt!

Am nächsten Morgen schien zwar noch die Sonne, ein Blick in die Wettervorhersage zeigte aber ein nahendes Tiefdruckgebiet, dessen Auswirkungen wir gerne in einem geschützten Hafen über uns ergehen lassen wollten. Wir entschieden uns wieder für Middelfart und bereits an der Brücke über den Kleinen Belt war es bei Wind gegen Strom ordentlich kabbelig, so dass der Motor bei 2 bis 3 kn Strom gegenan ordentlich ackern musste.

20250622 170919 20250623 105942

Ansonsten kam es, wie es kommen musste, viel Wind und Regen – infolgedessen eineinhalb Hafentage. Immerhin haben wir an der Promenade von Middelfart einen einzelnen Schweinswal, den einzigen auf der gesamten Tour, gesehen.

Bei immer noch starkem Wind und gelegentlichen Schauern sind wir dann nur eine kurze Etappe nach Aroesund gesegelt. Das Interessanteste in diesem Hafen ist der markante weiße Rundturm in der Hafeneinfahrt mit grüner Laterne, der 1905 von der Berliner Firma Julius Pintsch erbaut wurde.

20250623 111210 Leuchtturm

Am Folgetag zeigte sich das Wetter dann wieder von seiner besseren Seite, so dass wir ohne ein einziges Segelmanöver bis Bagenkop durchrauschen konnten.

IMG 2412 20250619 093515

Auch die Rückfahrt nach Wendtorf fand unter optimalen Bedingungen statt, und so haben wir den Törn entspannt mit einem guten Essen wieder in der „Fischküche Laboe“ ausklingen lassen.

20250626 202401

Unser späteres Monitum bezüglich der Undichtigkeit des Kajütfensters in Verbindung mit dem Vorschlag einer kleinen finanziellen Entschädigung hat der Yachteigner abgelehnt. Die Charter-agentur hat uns daraufhin einen Gutschein für eine Folgecharter zukommen lassen.

Stefan Molkentin

Date

16. April 2026

Tags

fahrtenberichte