2025 - Götz goes Caledonian Canal
SY: Maybee (Albin Ballad)
Vom 31.05. – 17.08.2025 (2780 sm)
Reiseroute: SVUH – Stettin – Kühlungsborn – Kiel – Brunsbüttel – Helgoland – Borkum – Groningen – Zoutkamp – Leeuwarden – Makkum – Enkhuizen – Amsterdam – Scheveningen – Rotterdam – Krammerschleusen – Vlissingen – Dover – Falmouth – Dun Laoghair – Bangor – Islay – Kerrera – Banavie – South Laggan – Fort Augustus – Dochgarroch – Inverness – Thyboron – Mors – Aalborg – Hals – Helsingor – Kopenhagen – Dragor – Klintholm – Vitte – Swinemünde – Stettin – SVUH
Skipper: Gört Schweighöfer
Crew: bis Brunsbüttel Martin, bis Groningen solo, bis Rotterdam Marion, bis Dover Jens, bis Aalborg Helmut, bis Kopenhagen solo, bis Berlin Jürgen
2017 habe ich auf YouTube ein Video der SY Thorfinn gesehen, die eine ähnliche Runde gesegelt ist. Dieses Video hat mich inspiriert und den Samen gesetzt, dass dies ein Törn wäre, den ich mir auch gut vorstellen könnte.
Auf meiner geplanten Route lagen viele Reviere, die ich gerne mal befahren wollte: Den Nord-Ostsee Kanal, die Nordsee, die Staande Mastroute, das Ijsselmeer, den Ärmelkanal, den Caledonian Canal und den Lymfjord. Vor allem reizte mich die Fahrt durch Schottland.
Im Herbst 2024 begann mein Ruhestand und der Umsetzung meines Traumes stand nichts mehr im Weg. Die Planung begann somit im November 2024 mit dem Erstellen einer Bücherliste, der Aufstellung von benötigten Seekarten und evtl. benötigten Ausrüstungsgegenständen. Einige waren wunderbare Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke (Februar).

Da ich noch nie in Gezeitengewässern gesegelt war, legte ich meinen Fokus zunächst darauf, gefolgt von Genehmigungen für das Befahren der Staande Mastroute, den Einreisebestimmungen nach England mit dem Segelboot und den Gebühren für den Caledonian Canal. Der nächste Schritt war das Rekrutieren der Crewmitglieder und das Abstecken der einzelnen Etappen. Eine erste Prognose für die Dauer meiner Reise lag bei 8 Wochen.
Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen, die Lebensmittel gebunkert und der Mast gelegt waren, ging es am Samstag, den 31.05. um 6:00 Uhr als Konvoi mit Susi und Reimer mit ihrer Satori und Olaf und Klaus auf der Tabaluga Richtung Stettin. Einige Mitglieder der SVUH ließen es sich nicht nehmen, uns zu so früher Stunde mit musikalischer Untermalung zu verabschieden. Am Sonntag konnten wir in Stettin noch den Mast stellen und in netter Runde die örtliche Küche genießen.
Die erste Etappe (die Kanalfahrt zählt nicht) ging dann auch ohne Stopp nach Kühlungsborn, mangels Wind erst unter Motor. Hinter Swinemünde konnten wir dann das erste Mal für ca.2 Std. segeln, bevor der Wind wieder einschlief. In der ersten Nacht haben wir dann anhand von Lichtertafeln und Seekarten die Leuchtfeuer kontrolliert, Ankunft in Kühlungsborn war dann nach ca. 190 sm am Dienstagnachmittag. Nachdem der Dieseltank und unsere Mägen wieder aufgefüllt waren, segelten wir am Mittwoch 75,0 nm nach Kiel zum Nord-Ostsee-Kanal.

Bei moderaten 10-12 kn Wind aus S-SO ging es flott Richtung Fehmarnsundbrücke. In der Hohwachter Bucht zwang uns ein Funkspruch der Bundesmarine zu einer Kursänderung Richtung Nord zur Umfahrung des Schießgebietes Todendorf / Putlos. Der Wind hatte mittlerweile auch etwas zugelegt, so dass wir das Groß und auch die Genua reffen mussten. Gegen 21:30 Uhr erreichten wir den Wartebereich des NOK.

Die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verlief unspektakulär, wobei die Nähe zu den dicken „Pötten“ schon beeindruckend war. Leider war die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht günstig, sehr viel Wind von vorne. So entschieden wir uns dann, den Freitag noch in Brunsbüttel zu bleiben und am Samstag direkt nach Helgoland zu segeln. Martin wollte eigentlich bis Cuxhaven mitfahren, stieg aber nach der Planänderung in Brunsbüttel vorzeitig aus. Auf den nächsten Etappen war ich nun solo unterwegs. In Fahrtenseglerkreisen ist das Setzen der Nr.1 des Flaggenalphabetes am Achterstag das Zeichen, dass man als Solosegler unterwegs ist.
Samstagfrüh fuhr ich durch die Schleuse Brunsbüttel hinaus auf die Elbe. Nach zwei Stunden frischte der Wind auf 3-4 Windstärken auf und es ging flott der Nordsee entgegen Richtung Helgoland. Bei einer Wende gab es einen Knall auf dem Vordeck und ich sah einen kugeligen Gegenstand in der Nordsee verschwinden. Nach einer kurzen Begutachtung der Segel und des Mastes war alles noch da und augenscheinlich fest.
Eine kleine Anekdote am Rande: Von Cuxhaven aus wurde im Rahmen der Nordseewoche eine Regatta nach Helgoland gestartet. Um die einzelnen Startergruppen unterscheiden zu können, werden die entsprechenden Zahlenstander am Achterstag gesetzt. Da ich im Achterstag den Zahlenstander 1 (Solosegler / Startgruppe 1) gesetzt hatte, kam im Hafenbereich von Helgoland umgehend ein Motorboot auf mich zu und schwenkte an einer Rute ein Tablett mit Schnäpsen zu mir herüber und begrüßte mich als Regattateilnehmer. Ich habe nicht widersprochen.

Mein Liegeplatz im Osthafen von Helgoland erlaubte mir, bei Ebbe ohne in den Mast zu klettern einen ersten Blick auf meinen Mast, wo ich die Reste meines Dampferlichtes erblickte. Ein neues Licht musste her! Ich bestellte bei SVB ein „Neues“ und ließ es von Jens mit nach Rotterdam bringen.
Am 09.06. ging es dann bei guten 12-15 kn Wind mit einer Starkwindwarnung für Dienstag im Nacken 92 sm Richtung Borkum, meiner ersten Nachtankunft. Bei leichten NO-Wind und Sonnenschein fuhr ich am Mittwoch in die Ems hinein. In Delfzijl begann die Staande Mastroute. Nachdem ich Marion am Mittwochnachmittag in Groningen vom Busbahnhof abgeholt hatte, brachen wir noch zu einer Stadtbesichtigung auf. Vom Stadthafen konnten wir die kleine sehr nette Uni-Stadt gut zu Fuß erkunden.
Wegen einer defekten Brücke ging es am Donnerstag, den 12.06. auf der Staande Mastroute in 3 Tagen über Zoutkamp, Leeuwarden nach Harlingen ins Wattenmeer und über die Lorentschleuse ins Ijsselmeer zur Marina Makkum. In Holland konnten wir das erste Mal über QR-Code bezahlen, der an jedem Liegeplatz befestigt war oder wie in der Marina Makkum über die Internetseite reservieren. Nach der Bestätigung sollte man unbedingt einen Blick in den Hafenplan werfen, um nicht bei Ankunft im Hafen herumzuirren.
Am 15.06. ging es bei bestem Segelwetter, 12-14 kn Wind und Sonnenschein 25 sm übers Ijsselmeer nach Enkhuizen.

Auch am Folgetag hatten wir auf dem Weg nach Amsterdam auf dem Markermeer mit 10-12 kn Wind und Sonnenschein bestes Wetter. Unser Liegeplatz im Sixshafen mitten in Amsterdam war einfach genial gelegen, um mit der Fähre direkt ins Zentrum zu gelangen. An den folgenden zwei Tagen haben wir bei bei sonnigen Wetter Amsterdam erkundet.
Leider konnten wir wegen zwei defekter Brücken auf der Staande Mastroute nicht nach Rotterdam weiterfahren, so dass wir die Route änderten und auf der Hertlj und dem Noordzeekanaal nach Ijmuiden zur größten Schleusenanlage der Welt fuhren. Von dort ging es bei bestem Segelwetter über die Nordsee raumschots unter Spinnaker nach Scheveningen. Hier wurde auf einem Aushang mitgeteilt, dass man wegen des folgenden NATO-Gipfels in Den Haag ab dem 20.06. nur unter Voranmeldung und Kontrolle der Küstenwache den Hafen verlassen kann. Nach Verlassen des Hafens gab es nur einen schmalen Korridor, den man befahren durfte. glücklicherweise Richtung Süd-West. Schon bei kleinsten Abweichungen wurden wir per Funk auf die Einhaltung des Korridors hingewiesen.
Die Fahrt auf dem Niewe Waterweg nach Rotterdam gegen die Strömung zog sich wie ein Kaugummi. Wir waren froh, dass wir die Erasmusbrücke pünktlich zur 19:00 Uhr Öffnung erreichten und konnten anschließend in der Rotterdam Marina festmachen. Am folgenden Tag erfolgte ein Crewwechsel, Marion fuhr wieder nach Berlin und Jens kam an Bord (mit dem Dampferlicht).
Am Sonntag, den 21.06. ging es über die Nieuwe Maas, Noord Maas, Dordtsche Kil auf die Hollandsch Diep zur Krammerschleuse. Im Wartebereich der Schleuse haben wir die Nacht verbracht, um am folgenden Tag über die Mastgat, Oosterschelde, Veersemeer und dem Walcheren Kanal nach Vlissingen zufahren. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass der ganze Bereich der Oosterschelde, Grevelingen Meer und Hollandsch Diep ein sehr schönes Segelrevier ist. Bevor es auf die Nordsee Richtung Dover ging, tankten wir in Vlissingen noch einmal und füllten die Lebensmittel auf.
Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, muss man sich bei der englischen Grenzpolizei und Steuerbehörde anmelden. Diese Anmeldung bereitete mir nach Recherche im Internet etwas Kopfschmerzen. Man muss ein Konto einrichten und sich per Mail 24 Stunden vor der Einreise anmelden mit einer prognostizierten Ankunftszeit und einer Abweichung von max. 2 Stunden. Die Antwort kam prompt: „Guten Tag, vielen Dank für Ihre C1331- Einreichung. Diese E- Mail bestätigt, dass allen im C1331-Formular genannten Personen für die Yacht MAYBEE, die am 25. Juni 2025 in Dover Marina einläuft, eine Einreiseerlaubnis für Besucher nach Großbritannien für bis zu sechs Monate erteilt wurde. Sie müssen Ihre Q-Flagge nicht mehr hissen und es besteht keine Notwendigkeit, Yachtline zu kontaktieren.“ Also alles viel entspannter.
Leider war die Windprognose für den 24.06. nicht sehr günstig für uns, Nordost mit 24–30 kn, am Abend/Nacht abnehmend. Also entschieden wir uns dazu, gegen 19:00 Uhr mit dem 2.Reff im Groß und Genua 3 mit ablaufendem Wasser abzulegen. Auch in der Nacht nahm der Wind nicht ab und so sind wir 16 Std. mit bis zu 30 kn Wind von vorne Richtung Dover gekreuzt. Vlissingen liegt am Ausgang der Schelde, die nach Antwerpen führt. Da Antwerpen der zweitgrößte Seehafen Europas ist, herrscht ein entsprechend starker Schiffsverkehr. Nachts wurden wir einige Male von der Berufsschiffahrt per Funk freundlich auf ihre Anwesenheit aufmerksam gemacht. Leider löste sich eine Backskistendeckelentwässerung, sodass überkommendes Wasser nicht wie geplant ins Cockpit abgeleitet wurde, sondern durch die Backskiste in den Salon lief. Natürlich musste auch der Reeds Almanach durch die heftigen Bootsbewegungen aus dem Regal direkt auf den feuchten Salonboden fallen. Innerhalb kürzester Zeit hat der Wind auf 5 kn nachgelassen. Nach 23 Std. und 154 sm erreichten wir schlussendlich Dover.

Leider musste Jens aus familiären Gründen früher als geplant in Dover von Bord gehen.

Da der nächste Stopp in Falmouth sein sollte und ich die dafür benötigten 2,5 Tage nicht alleine segeln wollte, habe ich meinen Bruder Helmut angerufen und ihn gebeten, anstatt nach Dublin nach Dover zu kommen. Die nächsten Tage verbrachte ich mit der Reparatur der Entwässerung, dem Trocknen des Almanach (das dauerte eine Woche), dem Erkunden der „White Cliffs of Dover“ und einer Fahrt nach London. Helmut kam am folgen Montag an Bord und wir konnten am Dienstag die Etappe entlang der Englischen Südküste aufnehmen.
Bedenken hatte ich bezüglich der „Tidal Races“ und der „Eddys“, die wir auf dem Weg von Dover bis zum Kaledonian Kanal immer wieder antrafen. Das sind Strömungen, die durch Unterwasserhindernisse verursacht werden und an der Wasseroberfläche oft durch kabbelige Wellen, Wirbel und Strudel gekennzeichnet sind. Das Durchfahren dieser Bereiche kann die Handhabung des Bootes und die Sicherheit erheblich beeinflussen. Glücklicherweise sind diese Bereiche in den Seekarten gekennzeichnet.
Anfänglich war es noch sehr schwachwindig. Im Laufe des Nachmittags nahm der Wind auf 10-12 kn zu, sodass wir doch noch segeln konnten, leider alles gegenan. Auf den letzten 15 Std. nach Falmouth war der Wind wieder weg und so mussten wir leider wieder unter Motor fahren. Die Zufahrt zur Falmouth Marina war nicht wirklich schwierig, aber recht schmal und die Tiefenangaben rechts und links des Fahrwassers waren schon etwas beunruhigend, besonders wenn man keine Tiedenerfahrung hat.

Immer wieder sehr angenehm war die Liegeplatzzuweisung per Funk kurz vor dem Erreichen der jeweiligen Marina. Man warf einen Blick auf den Hafenplan im Handbuch und ersparte sich die Sucherei. Für die nächsten 4 Tage lag ein Starkwindfeld aus Nord in der keltischen See, sodass wir Falmouth und Umgebung etwas länger erkunden konnten.
Am 08.07. gegen 11:00 Uhr ging es mit ablaufendem Wasser Richtung Dublin nach Dun Laoghair. Dort liegt mit 820 Liegeplätzen in der Marina das Segelmekka von Dublin. Bis kurz vor Land's End mussten wir bei bis 16 kn Wind aus Nordwest natürlich kreuzen. Abends schlief der Wind wieder ein. Es stand aber eine unglaubliche Dünung mit bis zu 1,20 m Wellenhöhe, die schräg von achtern unter dem Schiff durchrollte. Zur Stabilisierung und zur Unterstützung konnten wir das Vorsegel noch stehen lassen.
Im Laufe des nächsten Tages herrschte dann komplette Windstille. Bevor der Wind am Donnerstagmorgen wieder einsetzte, kam der Nebel, Plötzlich tauchte in ca. 20 m Entfernung an Backbord ein Fischerboot auf. Auch wenn der Fischer nicht auf dem AIS zu sehen war, hofften wir, dass er uns gesehen hatte. Ein auf Kollisionskurs fahrender Tanker bedankte sich für unsere Kursänderung im Nebel mit einem langen Signalton. Der Wind frischte wieder auf 10 kn aus Nordost auf, sodass wir die Segel setzen konnten. Nach 250 sm in 51 Std. erreichten wir unseren Liegeplatz in Dun Laoghair. Ein absolutes Highlight auf dieser Etappe waren die Delphine, die uns ca. 30 min begleitet haben.

Noch eine Anmerkung zum Nebel: Ohne AIS (Automatisches Identifikation System) und/oder ohne Radar wäre ein Weiterfahren ein absolutes Himmelfahrtskommando.
Den Aufenthalt in Dun Laoghair nutzten wir wieder zum Einkaufen, Wäsche waschen, zum Besuch der örtlichen Pubs und zu einem Ausflug nach Dublin.
Am 13.07. wollten wir uns um 17:00 Uhr auf den Weg Richtung Belfast nach Bangor machen, doch leider mussten wir 1 Std. warten, bis die an der Tankstelle liegende unscheinbare kleine Barkasse eine Unmenge an Außenbordertanks wieder aufgefüllt hatte.
Unter Motor fuhren wir bei Flaute dann in die Nacht hinein. In der ersten Nachthälfte entwickelte sich bei aufkommendem Wind aus Ost eine unglaubliche Kreuzwelle. In der zweiten Nachthälfte drehte der Wind weiter auf Süd-Südost und nahm kontinuierlich bis auf 28 kn zu. Auch wenn der Wind von achtern kam, war das Steuern bei der vorherrschenden Welle schon recht anspruchsvoll. Helmut hatte bei diesen äußeren Bedingungen auch eine Kreuzwelle im Magen und musste sich zeitweise zurückziehen. Glücklicherweise ließ der Wind zum Anlegen nach 17 Std. und 99 nm nach und Helmut ging es auch wieder besser. Eine Stunde später wehte es wieder bei herrlichem Sonnenschein mit bis zu 35 kn (8 Windstärken).
Auch Bangor ist ein Segelzentrum, wobei der Ort selbst nicht sehr einladend ist, als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Belfast jedoch gut geeignet ist.
Seit wir auf der Nordsee/Atlantik unterwegs waren, gab es nur zwei Windmodelle: Entweder Flaute oder Starkwind und den jedoch meistens von vorne.
Das nächste Etappenziel hieß Islay (die Whiskyinsel). Bei wenig Wind mussten wir wieder motoren. Höhe Mull of Kintyre hatten wir gute 4,00 kn Strom mit uns. Glücklicherweise erreichten wir Port Ellen nach 65 nm und 12 Std. noch bei Tageslicht. Da wir nun auf der „Whiskyinsel“ waren, besuchten wir natürlich auch eine Whiskyverkostung gegangen.
Jetzt war es auch an der Zeit, dass wir uns für das Befahren des Kaledonischen Kanals anmeldeten. Die Gebühr betrug für ein 9m Boot 243,00 Pfund. Auch hier sollten wir den Ankunftstag und die Zeit angeben.

Von Islay ging es dann 60 nm Richtung Nordost durch die inneren Hybriden zu einer Ankerbucht nach Kerrera, vorbei an der Meerenge zwischen Jura und Scarba mit dem Corryvreckan-Strudel. Das ist ein Gezeitenstrudel, der mit bis zu 8,5 kn durch die Meerenge strömt.
Nach einer ruhigen Nacht vor Anker ging es auf die letzte Etappe zum Kaledonischen Kanal. Am Nachmittag nahmen wir noch die erste Schleuse in Corpach und vor der „Neptun`s Staircase“ bei Banavie legten wir an. Diese Schleusenanlage besteht aus acht Schleusenkammern und ist die drittlängste Schleusentreppe Großbritanniens mit einem Hub von ca. 20 m. Als Segler auf dem Kanal ist man für die auf den Schleusenanlagen laufenden Touristen oft ein willkommenes Fotomotiv.

Der Kaledonische Kanal war das eigentliche Ziel meiner Reise. Die Möglichkeit, mit dem Boot auf wunderschönen Kanälen, beeindruckenden Seen vorbei an malerischen Landschaften quer durch Schottland zu fahren, ist letztendlich eine Aneinanderreihung von ganz vielen beeindruckenden Erlebnissen.

Die Strecke durch Schottland ist ca. 97 km lang mit 29 Schleusen und 11 Drehbrücken. Für die Strecke hat man ohne Mehrkosten 7 Tage Zeit.

Da die Seeschleusen nur +/- 3 Std. um Hochwasser passiert werden konnten, fuhren wir am 26.07. um 15:00 Uhr mit ablaufendem Wasser wieder auf die Nordsee. Ursprünglich wollten wir nach Lossiemouth, das passte aber nicht mit der Tiede und nach Peterhead hätten wir gegenan gemusst, also segelten wir in einem Rutsch nach Thyboron: Am ersten Tag mit 12 kn Wind aus SSW, am zweiten Tag Flaute, am dritten Tag wieder zunehmender Wind bis 16 kn, in der Nacht bis 22 kn und am vierten Tag dann W-NW mit bis zu 30 kn Wind, alles nur unter Genua.

Nach 426 sm näherten wir uns der Einfahrt in den Lymfjord. Auch wenn die Einfahrt recht breit ist, sollte man das Richtfeuer von 85° bei starkem Wind aus West und Dunkelheit unbedingt einhalten. Nördlich gibt es Grundseen und südlich liegt die Mole.
In Thyboron machten wir um 22:30 Uhr fest. Nach 3,5 Tagen Nordseeüberquerung hatten wir uns 2 Anlegebiere verdient.
Nach einem Erholungstag fuhren wir die nächsten zwei Tage bei Flaute über Nykobing nach Aalborg. Hier ging mein Bruder Helmut nach fast 5 Wochen von Bord.
Die folgende Woche war ich wieder solo unterwegs. Am Samstag fuhr ich weiter nach Hals. Der Wetterbericht sagte zunächst für Sonntag noch Flaute mit zunehmendem Wind am Abend und für Montag wieder Starkwind vorher. Daraufhin entschied ich mich zu einer Nachtfahrt nach Helsingor. Am Sonntag um 16:00 legte ich dann ab und gegen 20:00 Uhr blies es mit 20 kn aus Süd-Südwest. Mit halbem Wind ging es in Rauschefahrt durch die Nacht.
Ein Nachtrag zu Schottland. Am 05.08.2025 fegte ein Sturm mit bis zu 175 km/h über Schottland und den Kaledonischen Kanal, wo ich mich noch vor 10 Tagen aufhielt!
Zwei Tage blieb ich in Helsingor bevor ich am Freitag bei 12-16 kn Wind nach Kopenhagen segelte. Jürgen kam an Samstag an Bord. Sonntag ging es bei schwachem Wind unter Motor nur bis Dragor. Von Dragor segelten wir 45 sm bei bestem Segelwetter am Montag nach Klintholm und am Dienstag weiter nach Kloster auf Hiddensee.

In Kloster trafen wir dann Jens (der mich von Rotterdam nach Dover begleitete) und Maresa mit ihrer SY Anuschka. Den folgenden Tag hatten wir Landgang und den Abend verbrachten wir dann in geselliger Runde mit Rossi, Eddi, Klaus mit seiner Nichte, Maresa und Jens bei einem wohlschmeckendem Kaltgetränk.
Von Kloster ging es 82 sm in einem Rutsch nach Swinemünde, nach einem Tag Aufenthalt am Freitag nach Stettin. Hier hatten wir genug Zeit, den Mast zu legen. Samstag in der Früh begaben wir uns bei bestem Wetter auf den Weg nach Berlin, wo wir am Sonntag gegen Mittag in der SVUH nach 79 Tagen, 2780 nm, 54 Schleusen, 87 beweglichen Brücken und 53 Tagen auf See wieder festmachten.
Fazit:
Ich konnte mit dieser Runde ganz viele Reviere befahren, die auf meiner Wunschliste standen. Viele davon haben mir ausgesprochen gut gefallen!
Götz Schweighöfer