Omø – Samsø – Ærø
Crew: Martina und Günter Wolber
„Rapsodi“ Nordischer Kreuzer, NK 49

Dieses Jahr wollen wir ganz schlau sein. Wir wollen in die dänische Südsee, aber wir wollen nicht in die vollen Häfen der Hauptsaison. Deshalb brechen wir früh in der Saison auf. Am 7. Juni, am späten Nachmittag. Und alles fängt gut an. Mit schönem Wetter kommen wir am dritten Tag in Dabie am Kleinen Damschen See an. Wir stellen mit einigen Schwierigkeiten den Mast, was aber nicht am Hafenmeister, sondern an mir liegt. Ich beharre zu sehr auf meiner seit 10 Jahren geübten Maststellmethode mit Schlinge oberhalb der ersten Saling, was aber, wie wir später feststellen, gar nicht notwendig ist. Schlinge unterhalb der Saling funktioniert hervorragend.

Den nächsten Tag verbringen wir in Dabie, versorgen uns mit Proviant beim nahe gelegenen Aldi und beobachten mit Argwohn den zunehmenden Wind, der uns bereits unseren kleinen Badeausflug an den Strand abbrechen lässt.

Unsere erste Etappe mit stehendem Mast soll uns über das Stettiner Haff bringen. Bereits im Papenwasser kommt uns der Nordwind mit 6 Stärken entgegen, unser Bug schneidet die Wellen, das Vorschiff wird nass, wir auch. An eine komfortable Querung des Haffs ist nicht zu denken. Also ab über Steuerbord nach Stepenitz in den Kanal, wo man immer nach allen Seiten abgedeckt liegt. Im Ort gibt es das alte Ausflugsrestaurant Panorama und hier serviert man einigermaßen guten Fisch.

 

Nach Wolgast soll Stralsund folgen. Wieder macht uns der Wind einen Strich durch unseren Reiseplan. Westwind 6 bis 7 wollen wir uns gegenan über den Greiswalder Bodden nicht antun, nach Kröslin in die Marina wollen wir nicht und so landen wir auf der anderen Seite des Stroms beim Marine Regatta Verein Peenemünde, wo man ruhig liegen kann. Vom Ort sind wir gar nicht angetan.

Nach Stralsund gelangen wir abwechselnd unter Motor und Genaker, so sehr hat der Wind abgenommen. Wir sind darüber nicht erzürnt, zumal auch die Sonne wieder scheint. Die nächste Station, bevor wir die Ostsee überqueren, ist Barhöft, wo wir auf Reede liegend, eine sehr unruhige Nacht mit Gewitter und Regenschauern verbringen. Morgens bei Ankerauf heben wir erstaunt zwei Anker. Unser Anker hat sich mit einem herrenlosen Anker verhakt. Das hat sicher des Nachts ein Abtreiben unserer Rapsodi verhindert! Bei Nieselregen und mit leichten, wechselnden Winden queren wir mittags das Verkehrstrennungsgebiet Kadetrinne, bekommen noch eine ordentliche Starkregendusche und erreichen nach kurzen 33 sm Hæsnes in Dänemark.

Das Wochenende müssen wir in Stubbekøbing (Motorradmuseum!) im Grønsund verbringen (mal wieder Starkwind), haben dann aber am Montag einen herrlichen Segeltag durch das Smalandsfahrwasser Richtung West. Weil es so toll läuft, verzichten wir auf Femø und rauschen weiter raumschots nach Omø, unserer ersten Ø. Unser Plan, „leere Häfen“, geht auf. Omø, sonst mittags schon immer komplett belegt, beherbergt ganze 5 Boote. Nichts los hier. Läden noch verrammelt - Vorsaison... Nach Kerteminde kämpfen wir uns gegen teils starken Strom mit Motorunterstützung durch. Für Tina erwerben wir mangels Hoffnung auf Sommer einen Regenmantel.

Leider kann man das Wetter nicht gut planen. Es gibt zwar im Internet dutzende Wetterberichte, aber keine App zum Einschalten lauer Winde und Sonnenschein. Wir müssen das Wetter nehmen, wie es kommt. Windmäßig kommt es günstig, so dass wir unter langem Spinnackergang Ballen anlaufen. Die Sommersonnenwende fällt ins Wasser. Am nächsten Tag geht es erneut unter Spi zu unserem nördlichsten Reisepunkt, Langør auf Samsø, unserer zweiten Ø. Unter Segeln fahren wir durch das schmale Fahrwasser dicht am Land vorbei. Tina hat eine Adrenalinflutung. Hier erwischen wir einige Stunden DanSommer und genießen zwei davon am menschenleeren Strand bis sich das nächste Tief ankündigt. Langør ist ein Traumziel bei schönem Wetter, ein MiniArchipel mit traumhaften Stränden und kristallklarem Wasser, allerdings ohne Palmen. Bei Nieselregen.......???

Wir verlassen schweren Herzens Langør, setzen, als wir freies Wasser erreichen, den Spi und trödeln anfangs mit 2 ... 3 Knoten und Backstagsbrise südwärts. Der Wind nimmt zu, Rapsodi wird schneller und schneller. Wir nehmen uns vor, bei 7 ktn Fahrt den Spi zu bergen. Bei 8 und 9 macht es noch immer einen Riesenspaß und Tina segelt gekonnt die Wellen aus. Als dann aber 12 auf dem GPS stehen und die Brücke über den Großen Belt mit den ihr anhaftenden Turbulenzen immer näher rückt, kommt allmählich der Gedanke auf, den Spi zu bergen, was nach anfänglichen Schwierigkeiten auch gelingt, er wird im Windschatten des Groß in die Kajüte gezogen. Unter Groß passieren wir die Brücke. Wenn doch bloß jemand von der Brücke aus unser Manöver gefilmt hätte! In Landschutz nehmen wir das Groß weg. Weiter geht’s unter Fock mit bis zu 8,4 ktn. Wir erreichen nach 55 sm in etwas mehr als 8 Stunden Lohals. Ein sportlicher Tag in Langstreckenregattamodus. Dann geht es ans Aufräumen und Trockenlegen.

Es weht weiterhin. Der Wind nimmt das Wasser mit. Die Wassertiefe im Hafen verringert sich in 20 Stunden um 65 cm. Als wir Lohals verlassen wollen in Richtung Svendborg, stellen wir fest, dass unser Boot im Modder feststeckt. Wir bringen diverse Leinen aus und nach endlos scheinender Plackerei kommen wir gegen Wind und Strom frei.

Svendborg erwartet uns mit Regen, so dass, wie auf der gesamten Reise, die Kuchenbude uns abends Schutz bieten muss. Wir hellen unsere Stimmung mit Rotwein auf. Im Boot rauscht der Heizlüfter und sorgt für kuschlige, warme Kojen. Im schicken Hafen fordert der Automat lockere 200 dKr für 10m-Boote.

Einige angenehme Segelstunden bringen uns nach Marstal. Ærø ist unsere dritte Insel, unser drittes Ø. Wir haben unsere Reiseziele erreicht. Einige Sonnenstunden bietet uns die Insel, bevor ein weiteres Tief durchzieht, das bis zum nächsten Mittag andauert. Wir haben keine Lust mehr, auf besseres Wetter zu hoffen und legen ab. Abends liegt unsere Rapsodi in Rødbyhavn. Dann Gedser. Unbemerkt haben wir bereits beim Verlassen von Marstal auf Modus Flucht geschaltet. Gedser beschenkt uns überreichlich mit Wind und Regen und nach zwei Nächten wollen wir unbedingt weiter. Trotz Starkwindwarnung legen wir mittags ab. Wir haben ein Reff eingebunden, bergen die schlagende Fock und machen trotzdem gute Fahrt nach Ost. Als wir den Gellenstrom vor uns haben, kommt von achtern ein richtig schönes Tief mit rot-blau-violettschwarzem Himmel und überhäuft uns mit Hagel. Die Fahrwassertonnen sind kaum auszumachen. Auch das geht vorbei und wir machen in Stralsund fest. 52 sm in 10 Stunden ergeben wieder einen guten Durchschnitt.

Auf der Stralsunder Hafeninsel ist public viewing angesagt. Das WM-Spiel Deutschland - Italien bringt die Leute in keine gute Stimmung und uns will die Bratwurst als Ersatz für ein schmackhaftes Abendessen in einem der Restaurants, die leider alle bereits geschlossen haben, auch nicht schmecken.

Weiter geht es nach Wolgast. Der Regen verlässt uns zeitweise. Die anschließende Fahrt über das Stettiner Haff verläuft anfangs unter Genaker recht ruhig. Das ändert sich aber, wie soll es anders sein, als schon wieder ein Tief uns einholt und wir uns unter Mühen bei 7 Beaufort in den wegen heftigen Regenschauern schlecht auszumachenden Stepenitz-Kanal flüchten. Wieder bläst und braust es für mehr als 24 Stunden. Der Wetterbericht spricht von 10 m hohen Wellen auf der Nordsee, bei uns im abgedeckten Kanal gibt es Null Welle aber 10 Beaufort-Böen. Einen Auslaufversuch am späten Vormittag des nächsten Tages brechen wir ab. Der Westwind hat so viel Welle aufgebaut, dass unser 6PS-Maschinchen nur mit 1,2 ktn gegenan kommt.

Nach zwei Nächten in Stepenitz kommen wir zur Marina Gocław. Hier legen wir in aller Ruhe den Mast (Kranschlinge unterhalb der ersten Saling! Man ist ja noch lernfähig) und machen uns auf in Richtung Heimathafen. Nach Stettin, an dessen berühmter Hakenterrasse wir entlang fahren, kommen wir in den Kanal Kurówa und knallen dort mit voller Fahrt auf ein Unterwasserhindernis. Ein kurzer Blick in die Bilge zeigt: kein Wassereinbruch! Und der Mast ist auch nicht weiter gefahren! Wir bekommen Rapsodi erst nach langem Hin und Her und Ankereinsatz wieder frei.

Der Rest ist Routine. Wir machen jeweils für die Nacht fest in Garz im Stadthafen und Lehnitzschleuse im Unterwasser.

Am 9. Juli beenden wir unsere Reise nach 33 Tagen. Wir haben 25 Etappen abgesegelt, davon 6 mit mehr als 50 sm, und dabei insgesamt 783 sm zurückgelegt.

Fazit: Wir haben tolle Segeltage mit flotten Genaker- und Spinakerschlägen erlebt. Wenn es unterwegs mal regnet, kann man das wegstecken. Die vielen Tiefs allerdings haben uns zermürbt, so viele ringsum hatten wir noch nie und wir hatten schon etliche in den Jahren zuvor. Fast jeden Abend bei Regen und Wind unter der Kuchenbude? Das muss man mögen! Uns fehlte die Entspannung. Für 2017 planen wir Anderes.

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